Andi’s 4. BEE-NEWS

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Ein Gänseblümchen liebte sehr ein zweites gegenüber,
drum rief’s: „Ich schicke mit ‘nem Gruß dir eine Biene rüber!”
Da rief das andere: „Du weißt, ich liebe dich nicht minder,
doch mit der Biene, das lass sein, sonst kriegen wir noch Kinder!”
Heinz Erhardt

Hallo liebe Honig- & Bienen-Freunde,

das zweite Jahr im Waldviertel hat im Frühjahr für die Bienen recht gut begonnen. Alle 5 Völker sind gut über den Winter gekommen. 2 Völker schwächelten ein wenig und entwickelten sich nur langsam. Ich hab dann von den starken Völkern Brutwaben mit verdeckelter Brut den schwachen Völkern gegeben: das stärkt die schwachen Völker und bei den starken Völkern verringert es vielleicht den Schwarmtrieb.

Was ist das „Schwärmen“ eigentlich? Ihr habt vielleicht schon mal von Bienentrauben gehört, die sich auf Bäumen gesammelt haben: 1.000 Bienen die im Normalfall recht friedlich vom Baum hängen. Meist kommt dann ein Imker oder die Feuerwehr und fängt den Schwarm ein.

Schwärmen ist für das Bienenvolk, den man ja in seinem Zusammenwirken als eigenen Organismus sehen kann (den sogenannten „Bien“), die Möglichkeit, sich als ganzes Volk fortzupflanzen und so die Arterhaltung sicherzustellen. Ursachen, die das Schwärmen begünstigen oder auslösen sind meist entstandene Ungleichgewichte: zu viele Bienen und zu wenig Platz, zu viele Jungbienen und zu wenig Brut zum Pflegen, … Was dann passiert ist ein teilweise rätselhaftes Wunder.

Die weiblichen Bienen (Arbeiterinnen) beginnen, Weiselzellen (grössere Zellen) zu bauen und die von der Königin in diese Zellen gelegten Eier ausschließlich mit Gelee Royal, der königlichen Nahrung, zu füttern. Dadurch wachsen eine bzw. meist mehrere Jung-Königinnen heran. Diese bekämpfen sich nach dem Schlüpfen und es bleibt nur eine über. Dann verlässt die alte Königin mit den flugfähigen Arbeiterinnen (also den älteren) auf ein Kommando (Duftstoff) den Stock. Ich habe das einmal auf der Alm miterlebt: das ist ein wirklich beeindruckendes Spektakel, wenn bis zu 20.000 Bienen auf einmal aufbrechen. Die Bienen sammeln sich auf einem nahegelegenen Baum und warten vorerst mal. Worauf?

Für mich auf das nächste evolutionäre Phänomen: ca. 10 sogenannte Scout-Bienen verlassen die Traube und suchen im Umfeld von ein paar Kilometern einen neuen Bau. Größe, Lage, Flugloch-Möglichkeiten, … spielen dabei eine Rolle. Jede Scout-Biene kommt nun zurück und tänzelt den anderen Scout-Bienen die Eigenschaften des gefundenen potentiellen neuen Platzes vor und versuchen, sich gegenseitig zu überzeugen. Es kann vorkommen, dass eine Kleingruppe von Scout-Bienen einen der Plätze inspizieren und dann (wenn er tatsächlich gut war) denselben Tanz als Information vollführen. Das läuft solange, bis sich alle Scout-Bienen geeinigt haben und mit demselben Tanz die neue Heimat beschreiben. Dieser „gruppendynamische Experten-Entscheidungs-Prozess“ dauert im Normalfall zwischen 3 bis 12 Stunden. Sobald die Entscheidung gefallen ist gibt es ein Duftstoff-Signal: alle Bienen der Traube machen sich auf den Weg und fliegen den Scout-Bienen nach zum neuen Platz (meist eine Baumhöhle). Dort beginnen sie sofort, Waben zu bauen, um Platz zum Eierlegen und lagern von Nektar und Pollen zu schaffen.

Aber zurück zum „alten“ Volk mit der „neuen“ Königin. Diese macht sich in den nächsten Tagen zum Hochzeitsflug auf, wo sie von bis zu 30 Drohnen begattet wird. Der Hochzeitsflug ist ein eigenes Phänomen, von dem ich vielleicht ein anderes Mal schreibe. Bei der Begattung erhält sie den Sperma-Vorrat für ihr gesamtes Leben (ca. 4 Jahre). Mal kurz hochgerechnet: 4 Jahre x ca. 10 Monate Eierlegen x ca. 1.800 Eier pro Tag durchschnittlich x ca. 99% befruchtete Eier (die unbefruchteten werden zu Drohnen) = 2,2 Mio. Spermien.

Danach fliegt sie zum Bienenstock zurück und nach ein paar Tagen beginnt sie mit dem Eierlegen. Ab jetzt macht sie (fast) nichts anderes. Sie wird gefüttert, geputzt, bewacht und wird auch flugunfähig. Aufmerksame Leser werden jetzt einen Widerspruch feststellen: Oben stand doch gerade, dass die „alte“ Königin aus dem Bau zur Bienentraube und dann zum neuen Stock geflogen ist?! Richtig! Vor dem Schwärmen setzen die Arbeiterinnen ihre Königin auf Diät: dadurch wird sie dünner, hört zum Eierlegen auf und kann wieder fliegen. Im neuen zu Hause wird sie dann wieder „hochgefüttert“ und beginnt dadurch wieder mit der Ei-Ablage.

Normalerweise schwärmt ein Volk (nach meiner Erfahrung) ca. alle 2 Jahre. Das bedeutet für den Imker vorerst die Schwächung des betroffenen Volkes, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, ein junges, neues Volk zu erhalten, wenn er es schafft, den Schwarm einzufangen. (Wie das funktioniert, beschreibe ich gerne auch ein anderes Mal, wenn Euch das interessiert).

Viele Imker versuchen das Schwärmen durch unterschiedliche Maßnahmen zu verhindern. Ich habe da für mich eine andere Herangehensweise gefunden (die weder richtig, noch falsch ist; frage 3 Imker nach ihrer Meinung und du bekommst 5 Antworten 😉): Ich glaube, dass das Schwärmen nur mit großem Aufwand zu verhindern ist – und dieser Aufwand bedeutet ein massives Eingreifen in einen natürlichen Prozess, der über 100.000e Jahre entstanden ist. Ich versuche, durch mein Arbeiten kein Schwärmen zu „produzieren“, indem ich durch Unaufmerksamkeit, falsches Vergrößern oder Verkleinern von Völkern, schlechtes Varroa-Management, … Ungleichgewichte schaffe. Wenn das Volk dann schwärmen will, soll es schwärmen. Ich habe die Chance auf ein neues Volk (mit alter Königin), wenn ich den Schwarm einfangen kann – jedenfalls habe ich im alten Volk eine neue, junge Königin und im Normalfall holt diese durch die hohe Produktivität in Ihrem 1. Jahr den Schwarm-Verlust bald auf.

Also, zurück zum Anfang: ich habe meine sehr starken Völker ein wenig geschwächt, indem ich Ihnen Brutwaben entnommen habe (um schwächere Völker zu stärken). Und ich hatte heuer tatsächlich keinen Schwarm – zumindest keinen, den ich bemerkt hätte.

Alle 5 Völker entwickelten sich heuer extrem erfreulich und ich konnte 2x Honig ernten. Es wird also heuer wieder reinen Blütenhonig geben und einen Teil davon werde ich (wie letztes Jahr) zu Creme-Honig verarbeiten. (Danke für das viele tolle Feedback, dass euch der Creme-Honig so gut geschmeckt hat 😊). Insgesamt konnte ich über 140kg abschleudern. Nach dem mageren letzten Jahr (nur 45kg) freut mich das sehr. Die zweite Ernte hatte einen sensationell niedrigen Restfeuchte-Gehalt von 16,2% was ein wirklich tolles Zeichen für gute Qualität ist. Aber man/ich kann auch immer was zum Jammern finden: durch die schweren Regenfälle im Spätsommer ist der Anteil an Waldhonig gering bzw. reinen Waldhonig zu ernten war (wie schon im Vorjahr) vollkommen unmöglich.

Vielleicht sollte ich auch noch ein „Hoppala“ erwähnen. Ich stehe auf Kriegsfuß mit meinem 4. Volk. Im Rahmen der Ernte vor 1 Woche habe ich den Stock auch umgebaut (im Fachjargon „Totale Brutentnahme“) und auf neue Mittelwände gesetzt. Damit würde der Stock das nächste Bienenjahr in neuen, sauberen Waben ohne Varroa-Belastung beginnen. Ich habe das bei 4 von 5 Stöcken gemacht. Nummer 4 hat das anscheinend gar nicht lustig gefunden und irgendwo ein Loch zwischen Socken und Imker-Overall gefunden. Das hatte mehrere Konsequenzen: über 20 Stiche am Knöchel und eine ordentliche Schwellung mit ziemlichen Schmerzen. Weiters habe ich die Arbeit an diesem Volk abgebrochen – die können mich jetzt mal bis ins Frühjahr gernhaben. Futter und Varroa-Behandlung bekommen sie noch – aber nur, weil ich nicht sehr nachtragend bin. Aber ich weiß schon, was mein Imker-Lehrer Max sagen würde: „Die Bienen sind nie schuld“ – wahrscheinlich hab ich irgendendwas nicht richtig, zu langsam, zu schnell, zum falschen Zeitpunkt, … gemacht. Und da mein Imker-Lehrer immer recht hat, sag ich mir das lieber gleich selber 😉.

Das war ein bissl ein Einblick in mein Lernen als Imker und ins Jahr 2021. In ein paar Wochen gibt es dann für alle, die sich für den Mail-Verteiler BEE-HONEY angemeldet haben die Info über die Produkte und Preise.

Wenn ihr Fragen zu meinen BEE-NEWS habt oder euch was anderes in Zusammenhang mit Bienen, Honig, Imkern, … interessiert: einfach ein Mail an ap@andreas-pech.at. Ich werde auf eure Fragen und Anmerkungen im nächsten BEE-NEWS eingehen.

Andi

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