Gemeinwesenarbeit von Axel Bartos über Aichau

Prüfungsarbeit in – MSA7 Gemeinwesenarbeit
Vortragende: Renate Schnee

 mit einer
Gemeinwesenbeobachtung
invon
Axel Bartos (a.bartos@oerk.at) am 20. 1. 2007

 FH – Studiengang Sozialarbeit (im städtischen Raum)
Freytaggasse 32, A-1210 Wien
3. Semester, Winter / 2006

Gemeinwesenbeobachtung – AICHAU

1 Einleitung

Ich habe bei meiner Beobachtung einen Kontrast zu den Beobachtungen meiner Kollegen, die alle Teile Wiens beobachtet haben geschaffen und eher den ländlichen Bereich betrachten. Ein Arbeitskollege, Paul Krems, besitzt in Aichau ein Wochenend- und Ferienhaus und hat mir schon öfter von Aichau erzählt, einem Ort in dem nur ca. 45 Einwohner leben.

Es klang für mich auch interessant, da die Aichauer in Eigeninitiative eine Kläranlage gebaut und ihre eigene Internetanbindung via Glasfaser für jeden Haushalt geschaffen haben. Wir werden noch später einen kleinen Einblick in beide Projekte bekommen.

Aichau ist, richtig bezeichnet, ein Weiler ( = Siedlung aus wenigen unregelmäßig bei einander liegenden Häuser) im Waldviertel, in Niederösterreich nahe der Bezirkshauptstadt Melk (14 km entfernt). Die Menschen, die dort leben, machen einen sehr zufriedenen Eindruck, wenn sie auch viel schwere Arbeit verrichten müssen.

2 Beobachtung

In Aichau stehen 11 Häuser, davon sind 7 alte Bauernhöfe (etwa19 Jh. oder älter) zum größten Teil renoviert und vier Häuser aus neueren Zeiten. Als öffentliche Gebäude, dient eine Kapelle (kaum Messen), das Betriebsgebäude der Kläranlage und eine Waagehütte, wo früher die Rinder, die verkauft worden sind, abgewogen wurden.

Durch Aichau gibt es eine Hauptstrasse, von der eine kleinere Strasse in die neue Siedlung (3 neuere Häuser) führt. Eine nächste Straße führt zum Haus Nummer 3 und zur Kläranlage, weiters existiert noch ein Weg zum Anger, wo die alljährliche Sonnwendfeier stattfindet.

Industrie, Gewerbe- oder Handwerksbetriebe gibt es in Aichau keine. Für das leibliche Wohl der Ortsansässigen und Gäste aus der Umgebung, hat Willis Mostheuriger einige Male im Jahr offen und verköstigt seine Gäste mit Presskopf, kaltem Schweinsbraten, Aufstriche und Süßem. Man kann in Aichau auch seinen Urlaub verbringen und zwar bei zwei Bauernhöfen, die auch Zimmer vermieten.

Einkaufen kann man im Ort selber nicht, dazu müssen die Bewohner zum vier Kilometer entfernten Nachbarort nach Pöbring fahren. Allerdings kommt einmal die Woche der Bäcker mit einem fahrenden Laden und verkauft an zwei Plätzen im Ort. Weiters ist es auch möglich bei einigen Bauern Milch, Eier und teilweise Fleisch zu kaufen.

Der Schlüssel der Kapelle wird jedes Monat von einer anderen Bauernfamilie verwaltet. Diese Familie sperrt dann auch die Kapelle zum Rosenkranzbeten auf und läutet drei Mal täglich die Glocke.

Die Kläranlage ist im Rahmen einer Genossenschaft entstanden und klärt das gesamte Grauwasser des Ortes. Der normale Betrieb der Anlage läuft völlig automatisch, es können sogar die einzelnen Arbeitsschritte über das Internet abgefragt oder gesteuert werden. Im Zuge der Verlegung des Kanals (ohne die Genossenschaft, würde es heute wohl noch Senkgruben geben) ist zu jedem Haus eine Glasfaser mitverlegt worden, über diese jetzt die Internetanbindung zu jedem Haus funktioniert. Bis auf ein Haus, wird die Internetverbindung zu einem günstigen Preis von nur ca. 10 Euro monatlich verwendet.

3 Experteninterview 1 (Person aus AICHAU)

Als ersten Interviewpartner, hab ich mir einen 85 Jährigen Bauern ausgewählt, der sein ganzes Leben in Aichau verbracht hat, hier auch sterben möchte und sich mit der Geschichte von Aichau intensiv auseinander gesetzt hat.

Mit seiner Frau zusammen lebt er auf dem Hof, den sein Schwiegersohn schon seit längerer Zeit übernommen hat. Es ist aber nicht so, dass der pensionierte Bauer nichts mehr zu tun hat. Er erledigt Fahrten mit dem Auto oder Traktor (wir konnten ihn am Vormittag nicht antreffen, da er gerade den Sondermist zu der Sammelstelle in den nächsten Ort brachte). Unter anderem brennt er auch Schnaps und kann mir wertvolle Tipps für meine Brennerei geben.

Aichau hat früher „Aich owa“ geheißen was Eiche unter feuchtem Grund bedeutet. 1883 wurde die Kapelle gebaut und 1905 ist dann auch die Straße von Eitental gebaut worden.

Während wir das Interview führten, kamen zwei Feuerwehrleute die Karten für den Feuerwehrball verkauften. Diese mussten sich auch gleich an den Tisch setzten, bekamen ein Stamperl Schnaps und es wurden die Neuigkeiten aus der Umgebung ausgetauscht. Es hat 28 Einsätze im letzten Jahr gegeben, davon 3 Brandeinsätze.

1953 ist die erste Genossenschaft für Oberflächenwasser gegründet worden und später dann auch die Agrargenossenschaft. Die Grabarbeiten für die Leitung wurde damals zur Gänze vom Staat getragen.

Gäste kommen und machen regelmäßig Urlaub am Bauernhof. Früher hatten sie auch Zimmer die vermietet wurden. Es leben alle Altersschichten im Ort und öfters mehrere Generationen unter einem Dach. Jeden Sonntag fahrt beinahe die gesamte Ortschaft in die Kirche nach Pöbring. Die meisten Lebensmittel werden am Hof selber produziert und so wird höchstens ein Mal in der Woche einkaufen gefahren.

Nach einiger Zeit, drängte uns die Frau des Bauern freundlich, endlich mit dem Interview fertig zu werden, da sie jetzt die Jause bringen möchte. So verbrachten wir noch einen lustigen Abend bei der Familie.

4 Experteninterview 2 (Person nicht aus AICHAU)

Fremde Personen haben wir keine angetroffen, so hab ich Martina „meine Fotografin” am Ende unserer Beobachtung befragt.

Aichau hat sie als einen kleinen, netten und überschaubaren Ort kennen gelernt, in dem freundliche Menschen leben. Beschäftigt hat sie der Besuch im Stall bei einem Bauern.

Im Vergleich geht es hier den Kühen wahrscheinlich recht gut (Freilaufstall, Kratzbürste, …), aber Stadtmenschen wissen wohl oft nicht unter welchen Bedingungen Nutztiere gehalten werden. Um heute einen Bauernhof wirtschaftlich führen zu können, muss man schon sehr effizient arbeiten und eine gewisse Größe haben.

Die Menschen in Aichau wirken nicht so hektisch wie Menschen aus der Stadt. Es war verwunderlich, dass sich der Bauer eine Stunde Zeit genommen hat um uns den Hof zu zeigen. Man kann jederzeit vorbeikommen und die Menschen am Hof sind immer da.

Die Menschen sind sehr aktiv, müssen lange arbeiten. Der interviewte Bauer hatte stark gebräunte Hände, der ist sicher viel am Feld. Am Samstagabend gehen die Jungen dann in die Disko feiern.

Martina könnte sich nicht vorstellen im Aichau zu leben. Es wäre zu begrenzt, keine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Supermarkt ist auch keiner in der Nähe, und im Ort ist es zu Kotig. Man hat oft nasse Füße oder schmutzige Schuhe. Es ist ihr auch zu ruhig gewesen, sie hat sich an der Verkehrslärm schon gewöhnt. Ein bisschen mehr Ort müsste es auch sein.

Auf die Frage wo die Menschen zufriedener sind, bekam ich folgende Antwort: Die Menschen in der Stadt sind schon öfter unzufrieden, die Aichauer hingegen, wirkten sehr zufrieden. Es ist wahrscheinlich davon abhängig in welcher Lebensphase du gerade bist. In der Pubertät ist es wohl die Hölle dort, du hast den Druck von allen, alles was du machst wird beobachtet. Im Alter ist es dort wohl besser.

Beneidet hab ich die Leute in Aichau aber schon, eben weil sie zufriedener sind und eine gute Gemeinschaft haben.

5 Fotodokumentation

6 Abschließende Bemerkung

Es ist für mich sehr interessant gewesen, einen kleinen Einblick in ein ja nicht wirklich großes Dorf zu bekommen. Wir wurden überall sehr freundlich und mit großem Interesse, was wir da machen, aufgenommen. In dieser Arbeit ist es bei weitem nicht möglich, alles Erlebte unter zu bringen. Ein Bauer machte mit uns eine Führung durch seinen ganzen Hof, sowie Gespräche mit Feuerwehrleuten oder der Familie von „Urlaub am Bauernhof”.

Der Unterschied zwischen einer Stadt und einem Dorf ist wohl ein recht Großer und oft ist es so, dass sich Bewohner eines Dorfes nicht vorstellen können in einer Stadt zu leben und umgekehrt. Wobei in dem kleinen Dorf kommen genauso Streitigkeiten und Schwierigkeiten zwischen den Bewohnern vor wie sonst wo, in kürze weiß es der ganze Ort, es gibt viel weniger Anonymität.

Die Gemeinwesenbeobachtung ist ein gutes Instrument, einen Raum kennen zu lernen und mit den Ergebnissen daraus dann weitere Erforschungen zu machen, in der Tiefe, wie sie zum späteren Arbeiten notwendig sind.

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Paul Krems

Paul Krems

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