Telefon anno dazumal

In Zeiten von iPhone, Smart etc. heute unvorstellbar: Eine einzige Sprechstelle im ganzen Dorf.

Wir schreiben das Jahr 1964. Im Hause Aichau Nr. 1 wird eine sogenannte “Öffentliche Sprechstelle” eingerichtet. Das Telefon ist ein Kurbelapparat, wie sie heute nur mehr in Museen zu sehen sind. Aber immerhin. Wurde wer angerufen, musste die Fam. Wilhelm die “Post austragen”, eben den Betreffenden verständigen, oder zu einem späteren Gespräch holen.

1967: Ich bin in Weitra beim Bundesheer und erfahre, dass ich schon am 7. und nicht, wie erwartet, erst am 8. Dezember nachhause fahren darf. Telefonzelle, ein inzwischen auch abkommendes Relikt aus der Steinzeit der Telekommunikation gibt es in der Kaserne keine, also gehe ich in die “Stadt” in das größte Wirtshaus am Hauptplatz und rufe in Aichau an. Das Telefon dort, ebenfalls ein Kurbelapparat, wie ich es vom Feldtelefon beim Bundesheer kenne. Die Verbindung wird durch ein “Fräulein vom Amt” hergestellt, klappt und die Post wird ausgetragen. Der Rückruf ergibt aber, dass mein Bruder Franz nicht zuhause ist, sondern in Pöggstall bei einer Versammlung des LFW (Ländliches Fortbildungswerk). Naja, kann man halt nichts machen. Ich also in die Kaserne zurück und gehe schlafen. So um halb zehn (21:30) kommt der OvT (Offizier vom Tag) und ruft, “Walchshofer, aufstehen”, oder so ähnlich.

Was war inzwischen geschehen? Anruf von Aichau nach Pöggstall in die Bezirksbauernkammer zur Versammlung, meinen Bruder informiert und der fährt los und tankt zum Glück noch in Zwettl, oder sonst wo auf der Strecke. Dann steht er vor der Kaserne und wird vorerst abgewimmelt. Dann sagt er: “Glaubt ihr, ich fahre fast 100 km  und lasse mich wegschicken?”

Die Heimfahrt wird uns beiden unvergesslich bleiben. In Weitra und bis Zwettl lagen ungefähr 2 cm Schnee. Zwischen Zwettl und Grafenschlag auch noch kein Problem, aber dann begann die “Wilde Jagd”. Starker Schneefall und Verwehungen. Die B36 war damals noch nicht ausgebaut wie heute, die Schneezungen wurden immer mehr und höher und Franz durch mit Karacho. Irgendwann war dann aber Schluss. Der Motorraum der Simca Ariane voll mit Schnee, der Luftfilter ab und der Vergaser mit Schnee verstopft. Den Vergaser mit den Fingern von Schnee befreit, hineingeblasen, um den Schnee zu schmelzen, den Luftfilter drauf, Deckel zu und starten. Wie durch ein Wunder springt die Kiste an und wir kommen weiter. Der Motor läuft aber nur auf 2 von 4 Zylindern, bei heutigen Fahrzeugen unvorstellbar.

Wir kommen nach Ottenschlag. In der damals noch scharfen Kurve in der Nordeinfahrt ist ein Auto geradeaus gefahren. Wir helfen ihm heraus und fahren dann weiter. Immer noch mit 2 Zylindern, die Tanknadel neigt sich bedenklich.

Endlich kommen wir ins Weitental. Schönster Winter, 20 cm Neuschnee und Windstille, gerettet! Die restliche Heimfahrt nach Aichau war beinahe ein Vergnügen. Daheim ist der Tank fast leer, wir aber voll glücklich.

Karl Walchshofer

Karl Walchshofer

Im Mai 2016 verstorben

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. PeterM

    Liebe Andrea, lieber Robert!
    Vielen Dank für eure Einladung, wieder ein Benutzerkonto einzurichten!
    Das habe ich natürlich sofort erledigt und bei der Gelegenheit das neue
    Layout gesehen: Spitzenklasse! Was sofort auffällt ist der sehr schnelle
    Seitenaufbau! Die Farben sind sehr harmonisch zusammengestellt und
    die vielen bunten Bilder der Unterverzeichnisse sehr liebevoll gestaltet.
    Man findet sich sehr gut zurecht und besonders freut mich, dass die alten
    Geschichten über Aichau von unserem unvergessenen Karl auch im neuen
    Design einen schönen Platz gefunden haben!
    Danke für eure tolle Arbeit, die uns allen zugute kommt und Freude bereitet.
    Liebe Grüße von Gucki und Peter

    1. rjiranek

      Danke lieber Peter!
      Es gibt einem Auftrieb, so etwas als Echo zu bekommen und spornt zu weiteren Tätigkeiten an.
      Die Webseite ist in manchen Bereichen etwas verspielt, aber es macht halt Spaß und gehört dazu. Wir sind ja keine sture Informationsseite, so ist auch etwas Phantasie und auch Ironie mit einer Portion “Augenzwinkern” gefragt. Es wäre natürlich schön, würde das ganze Dorf auch einmal Ideen liefern um Leben in die Seite zu bekommen. Karl ist ja leider ein Totalausfall.
      Die alte Seite war schon aus Sicherheitsgründen nicht mehr tragbar. Die Seite arbeitet jetzt mit WordPress als Basis. WordPress hat einen sehr hohen Verbreitungsgrad und damit leider auch ein hohes Angriffsaufkommen. Wir mussten sehr viel tun und auch investieren um die Angriffsmöglichkeiten so klein als möglich zu halten. Wenn ich mir die Logs anschaue, so sehe ich ständig Angriffe aus der ganzen Welt.
      Nochmals vielen Dank für die anerkennenden Worte!

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