Andi’s 9. BEE-NEWS

Liebe Honig- & Bienen-Freunde,

letztes Jahr habe ich über die schlechteste Ernte aufgrund der ungünstigen Niederschläge im Frühjahr berichtet. Nun, heuer kann ich erzählen, dass es sehr heiß und trocken war – aber das habt ihr ja selber gespürt (und hoffentlich gut überstanden). Was für die Landwirtschaft eine ziemlich große Herausforderung war und ist, war für die Imkerei das Gegenteil.

Die Bienen konnten durch die fehlenden Niederschläge nahezu durchgehend Nektar und Pollen eintragen. Das Wasser, das sie heuer auch mehr gebraucht haben, konnten sie vom nahen Schwimmteich holen.

Aber vielleicht waren es genau diese guten Bedingungen, die mich ein wenig „übermütig“ gemacht haben und von der gewohnten Routine haben abweichen lassen. Durch den tollen Nektar-Eintrag im Frühling hatte ich bei meinen 5 Völkern bald 8 Flachzargen (eine Zarge ist die Kiste, in der wiederum je 10 Rahmen stecken) voller Honigräume. Normalerweise (und so hab ich es auch gelernt und bisher immer gemacht) sollte man diesen Honig dann Ende Mai abschleudern. Da ich mit anderen Baustellen beschäftigt war, habe ich beschlossen, heuer erst alles gemeinsam im Herbst zu schleudern – so kann ich mir ja auch einmal die ganze Vorbereitung und das Waschen und Putzen ersparen. Also habe ich weitere leere Zargen zwischen den Brutraum und die schon verdeckelten Honig-Zargen gestellt, wo dann in weiterer Folge der Mischhonig und eventuell Waldhonig zu erwarten wäre.

Kleiner Exkurs: Was bedeutet denn „verdeckelt“ und wie wird aus einem Tropfen Blütennektar denn eigentlich Honig:

Zu Beginn sammelt eine Biene an einer Blüte Nektar -, indem sie das kleine Tröpfchen einfach schluckt. Dann fliegt sie zum Flugloch zurück und würgt den Nektar wieder herauf und übergibt ihn an eine andere Biene, die in ihrem Lebenszyklus noch im Bienenstock Dienst zu versehen hat. Die erste Biene fliegt wieder zurück und holt den nächsten Nektar. Die Biene, die den Nektar erhalten hat, krabbelt in den Stock, übergibt den Nektar eventuell noch ein paar Mal weiter (wie bei einem Staffellauf) und schließlich wird der Nektar in eine zuvor gebaute und gereinigte Honigwabe abgelagert. Wobei, eigentlich ist der Nektar kein Nektar mehr. Durch das oftmalige Wechselspiel wurde er mit Fermenten angereichert, die den Nektar zu Honig werden lassen.

Jetzt gibt es aber noch ein Problem: Nektar hat einen Wassergehalt von 40-70% und das würde dazu führen, dass irgendwann eine Gärung einsetzt – außerdem wäre der Honig dünn wie Öl. Daher müssen die Bienen den Nektar-Honig noch entwässern. Und das machen sie, indem sie durch vereinte Flügelschläge Wärme und Luftzirkulation erzeugen, die dem Honig langsam, Tag für Tag, Wasser entzieht. Dabei prüfen sie den Wassergehalt in jeder einzelnen Zelle (das sind pro Rahmen ca. 11.000 Waben – also pro Zarge über 100.000 Waben!). Sobald der Wassergehalt in einer Wabe unter 18% beträgt, verschließen die Bienen jede einzelne Wabe mit einem Wachs-Deckel (der dann vor dem Schleudern entfernt werden muss). Damit ist der Honig konserviert. Und erst jetzt ist der Honig fertig und kann geschleudert werden.

jeder Rahmen wird händisch entdeckelt, das heisst die Wabendeckel müssen entfernt werden, damit der Honig aus den Waben geschleudert werden kann

Dazu verwendet man eine sogenannte Entdeckelungs-Gabel. Vorsichtig muss jeder einzelne Deckel abgehoben werden. Wenn man zu grob arbeitet, zerstört man die Wabe und der Honig rinnt sofort aus.

Nun zurück zu meinem Versuch, die Frühjahrsernte auszulassen:

Auch die neuen Zargen füllten sich bald und ich stellte weitere Zargen zwischen die Brut- & Honigräume. So nebenbei konnte ich noch einen Schwarm einfangen, der auch schon bald Honig produzierte. Dann wäre irgendwann der Zeitpunkt gewesen, wo die Mehrzahl der Imker das Jahr mit der letzten Schleuderung abschließt. Aber – wie schon ein paar Mal – warte ich noch bis zu 4 Wochen, weil ich noch auf Waldhonig spekuliere. Also: bei den 3 stärksten Völkern nochmal 3 Zargen für Waldhonig dazwischen stellen. Dieses Warten ist ein „Wette“: Waldhonig gegen höhere Varroa-Last.

Abkehren der Waben und möglichst bienen- und wespenfreier Transport in die Imkerwerkstätte

Am Ende hatte ich dann 17 Honigzargen auf den nunmehr (mit dem Schwarm) 6 Völkern. Darunter jeweils die Zargen mit den Bruträumen: solche Türme hatte ich noch nie.

Und dann kam der Tag der Wahrheit: hat sich mein Zuwarten und Experimentieren gelohnt? Dazu ist folgendes zu berichten:

          – Die 3 Zargen, die ich zuletzt für den Waldhonig dazu getan hatte, waren komplett leer. Das heißt: entweder gab es keinen Waldhonig mehr oder die Völker habe ihn selber gebraucht oder er war wo anders (ja wo denn?).

2.       – Die Zargen, die mittlerweile schon fast 4 Monate mit Frühjahrs-Honig gefüllt waren, waren nicht mehr reiner Blütenhonig, sondern mit bis zu 10% Melezitose- und Waldhonig vermischt (ah, da ist er)

3.       – Die Zargen für den Mischhonig waren sehr unterschiedlich behonigt – aber insgesamt sehr erfreulich

4.       – Und das Abkehren der Rahmen vor dem Schleudern gestaltete sich in einen Giganten-Kampf: einer gegen ungefähr 150.000. Die Bienen waren extrem aggressiv, so wie noch nie. Das Arbeiten war für mich teilweise extrem anstrengend, weil ich ja ruhig bleiben muss, während ich eigentlich gar nicht ruhig bin. So habe ich fast 20 Stiche durch den Schutzanzug und Schleier (Gesichts-Schutz) abbekommen: vom Knöchel bis ins Gesicht verteilt – aber irgendwann spürt man es eh nimmer. Durch den Schutzanzug haben mich Bienen bisher noch nie gestochen.

Wenn ich mich in die Bienen versetze (was man als Imker sowieso immer versuchen sollte), dann habe ich ihnen in kurzer Zeit ihren Wohn- und Arbeitsraum von 6 Zargen auf 2 Zarge reduziert. Eigentlich würde ich da auch grantig werden und durch Schutzanzüge stechen.

Was habe ich also gelernt: Wenn Frühjahrshonig da ist, werde ich ihn auch früh ernten. Und das mit dem Spät-Schleudern wegen Waldhonig-Hoffnung muss ich mir nochmal gut überlegen.

Aber zum Schluss die Ergebnisse und Konsequenzen:

  • mit über 135kg Honig war es die beste Ernte, die ich je hatte
  • daher werde ich dieses Jahr recht viel Oxymel produzieren (da ich die Nachfrage in den letzten beiden Jahren leider nicht erfüllen konnte)
  • ich versuche auch gerade, Creme-Honig zu rühren – kann aber nicht versprechen, ob das was wird (der Blütenhonig ist ja ein wenig mit Wald- bzw.    Melezitose-Honig vermischt)
  • ich werde den nicht ganz reinen Blütenhonig separat in Gläser abfüllen und als „Frühjahrshonig“ bezeichnen
  • leider wird es wieder keinen Waldhonig geben

Teamwork: während Jessy weiter entdeckelt, schleudere ich jeweils 8 Waben aus. Wenn die Waben ungleich schwer sind (weil unterschiedlich viel Honig drinnen ist), dann kann die Schleuder durch die Unwucht ganz schön bockig zu springen beginnen – darum halte ich sie gerade fest (falls jemand geglaubt hat, ich steh da nur untätig in der Werkstatt rum)

Das waren also heuer meine Erfahrungen mit günstigem Imker-Wetter, verzögerten Ernten und nicht so guten Experimenten.

Ein riesiges „honigpickertes“ Danke an Maria und Jessy, die mir auch heuer wieder beim Abdeckeln, Schleudern, Motivieren, Bemitleiden, mit Kaffee und zum Schluss beim Putzen so viel geholfen haben.

Wenn ihr Fragen zu meinen BEE_NEWS habt oder euch was anderes in Zusammenhang mit Bienen, Honig, Imkern, … interessiert: einfach ein Mail an mich. Ich werde auf eure Fragen und Anmerkungen im nächsten BEE-NEWS eingehen. Und weil ich gefragt wurde: gerne könnt ihr das Mail auch weiterleiten und wenn jemand, den ihr kennt, auf den Verteiler mag: einfach Mail-Adresse an mich senden.

Wahrscheinlich Ende September verschicke ich auch das Mail BEE-HONEY, wo ihr seht, was ich heuer anbiete. Bitte erst bestellen, wenn ihr BEE-HONEY erhalten habt.

Falls Du diesen Newsletter „BEE-NEWS“ nicht mehr erhalten magst, bitte um ein kurzes Mail mit „mag nimmer“ oder so ähnlich.

Andi

 PS: die heurige Stich-Statistik: ca. 25 Bienen und 0 Hornissen

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